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Verabschiedung von Prof. Wanda Golonka

Ein Text zum Abschiedsfest der bisherigen Leiterin des maC am HZT

Wanda Golonka, die den Masterstudiengang Choreographie (maC) über 10 Jahre lang geleitet und ihm sein künstlerisches Profil verliehen hat, verlässt zum Ende des Wintersemesters das Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin (HZT).

Eine Formulierung wie „Sie geht in den wohlverdienten Ruhestand“ würde eine völlig falsche Vorstellung wecken, denn wir kennen sie als einen Menschen, dessen Leben immer künstlerischen Ideen und Projekten gewidmet war - und das wir mit Sicherheit auch so bleiben. „Mein größter Wunsch ist“, so hat Wanda Golonka einmal in einem Interview formuliert, „mehr Zeit zu haben, um wirklich forschen zu können. Ich bin fest davon überzeugt, dass es so vieles zu recherchieren, zu experimentieren gibt.“

Wanda Golonka wurde bei Rosella Hightower in klassischem Ballett und an der Folkwang-Schule in zeitgenössischem Tanz ausgebildet. 1985 gründete sie zusammen mit VA Wölfl die Kompanie „Neuer Tanz“ und leitet sie für zehn Jahre. Von 2001 bis 2009 war sie Hausregisseurin und im Leitungsteam am Schauspiel Frankfurt. Parallel begann sie 2007 eine dreijährige Ausbildung in Energiemedizin. Seit 2010 lebt und arbeitet sie in Berlin, seit 2013 am HZT.

In ihrer künstlerischen Arbeit war der Raum gleichbedeutender Partner für die Darsteller*innen und Tänzer*innen, und interdisziplinäres Arbeiten zwischen Tanz, Performance, Musik und Text prägend. Diesen Ansatz hat sie ihren Studierenden mitgegeben und sie ermutigt, aus der Vielfalt der künstlerischen Mittel heraus und doch immer mit dem Tanz als Körperkunst und -weisheit im Zentrum ihre persönliche Herangehensweise und Handschrift zu suchen. Sie verstand den Studiengang als einen Rahmen, in dem die Studierenden nicht nur technische Fertigkeiten erlernten, sondern auch die Möglichkeit hatten, ihre eigene künstlerische Sprache zu entwickeln.

Wanda Golonka war von ganzem Herzen Unterstützerin ihrer Studierenden, dabei aber auch fordernd und anspruchsvoll. Sie erwartete den gleichen Einsatz, den sie selbst zu geben bereit war, auch von anderen. Und einmal feste rütteln, damit die Komfortzone verlassen und Dinge in Bewegung kommen können, das tat sie immer wieder. Zugleich war ihr bewusst, dass Vertrauen die Grundlage jeder guten Zusammenarbeit ist, egal ob zwischen Lehrenden und Studierenden oder in einem Team – und das aufzubauen, hat sie immer als ihre Aufgabe gesehen.

Eine ihrer großen Stärken war, dass sie Menschen aufmerksam wahrgenommen und versucht hat, jede*n nach seinen/ihren Vorlieben und Fähigkeiten zu fördern. „Gut ist man dann“, hat sie immer wieder erklärt, „wenn man das tut, was man gerne tut.“ Dieses Lust-Prinzip hat sie stets geleitet und dafür gesorgt, dass ihr Studiengangsteam bei allen Anstrengungen und auch Meinungsverschiedenheiten immer gerne und sehr konstant zusammen gearbeitet hat.

Das große Abschiedsfest mit vielen Wegbegleiter*innen, Alumni und Kolleg*innen ließ spürbar werden, dass es Wanda Golonka gelungen ist, in den gut zehn Jahren als Studiengangsleiterin eine große ‚maC-Familie‘ zusammenwachsen zu lassen. Es gab viele sehr bewegende Momente: So zum Beispiel der Einblick in ihr umfangreiches und vielfältiges Oeuvre in Form von kleinen Videoschnipseln aus dem Tanzarchiv Bremen, die tanzend kommentiert, befragt und untersucht wurden. 

Wanda Golonka ist ein besonderer Mensch mit einer großen Präsenz, warmherzig, dabei für die Sache auch bereit, unbequem zu sein. Ihr großer Einsatz für die Kunst, den Tanz, die Menschen und ihr dezidiert künstlerischer Zugang zur Welt wird uns fehlen: In der Gremienarbeit, in der Lehre, im Studiengangsteam.

Wir wünschen ihr alle Zeit der Welt, um all das erforschen zu können, was sie neugierig macht!

Text: Dr. Christiane Berger, Dozentin maC

Foto: maC